[:de]Transit in Südkorea oder: Wellness-City-Trip Incheon[:]

Incheon in Südkorea war eine der größten Überraschungen auf meiner Weltreise: übertrieben sauber, touristenfreundlich im positiven Sinne, unkompliziert, kulinarisch, bunt und wunderschön. Und wundervoll kontrastreich zur atemberaubenden, abenteuerlichen und wilden Mongolei, aus der ich gerade kam.

In Südkorea habe ich nur 19 Stunden verbracht. Ich war nur einen einzigen Tag in Incheon unterwegs, aber dieser Transitaufenthalt war dermaßen spektakulär, dass ich ihn einfach erwähnen muss und Südkorea auch immer mit aufzähle, wenn mich jemand fragt, welche Länder ich nun alle bereist habe.

Ich hatte meinen Flug von Ulan Bator nach Colombo extra so gebucht, dass ich richtig viel Zeit habe, damit ich mir die Stadt ansehen kann. Wenn man 6 oder 7 Stunden Aufenthalt hat, ist es eine lange Zeit, um einfach am Flughafen rumzugammeln, aber ziemlich wenig, um vom Flughafen weg zu kommen, sich etwas anzuschauen und rechtzeitig wieder da zu sein. Also 19 Stunden.

In der Mongolei hat mir ein Reisender aus Neuseeland, der in Südkorea lebt und dort Englisch unterrichtet, ein paar Scheine koreanisches Geld geschenkt, und jemand anderes gab mir den Tipp, ich solle mich nach dem Transitprogramm dort erkundigen.

Das tat ich dann auch – und konnte es kaum glauben: Südkorea bzw. der Flughafen in Incheon bietet allen Transitpassagieren ab einem dreistündigen Aufenthalt kostenlose Touren durch die Stadt an! Dabei hat man die Auswahl zwischen Touren, die nur eine bis anderthalb Stunden dauern, bis hin zu maximal fünf Stunden. Bei manchen Touren liegt der Fokus auf Kultur, bei anderen auf Shopping, der Stadt oder den Tempeln. Wenn man ganz sicher gehen will, dass man auch wirklich einen Platz bekommt, sollte man sich vorher zu einer Tour anmelden. Nähere Infos zum Transitprogramm findet ihr hier. Oder ihr googelt einfach mal nach Free Transit Tours Incheon.

Am frühen Morgen kam ich an – und habe mich direkt in den Transitbereich begeben. Leider waren sämtliche Liegen belegt, sodass ich mich auf eine Sitzgelegenheit quetschen musste, aber zum Glück bin ich ja klein. Nach ein paar Stunden kam dann langsam Bewegung in den Flughafen und ich machte mich auf den Weg zum Transitprogramm. Ich hatte ja noch den kompletten Tag vor mir und wollte zwei der angebotenen Touren mitmachen.

Man muss eine halbe Stunde, bevor die Tour losgeht, am Infoschalter sein, wo man dann von einem Angestellten eingesammelt wird, damit man sein Transitvisum beantragen kann. Dafür braucht man aber wirklich nur seinen Pass und füllt dann eine Besucherkarte aus, unkomplizierter geht’s kaum.

Das erste Mal auf meiner Reise war ich in einem Land, in dem ich von der Sprache wirklich absolut NICHTS verstand. In der Mongolei konnte ich wenigstens noch die Buchstaben lesen, wenn mir auch die Wörter nichts sagten 😀 Aber das war hier dann auch vorbei.

Suedkorea_Schriftzeichen

Und dann ging’s auch schon los: gemeinsam mit den anderen Transitgästen wird man in einen höchst komfortablen Reisebus verfrachtet und von einer Dame in gottseidank ganz gutem Englisch durch die Stadt und das Programm geführt. Sie erzählte ein wenig, während sich mir aus dem Bus heraus ein faszinierender Anblick bot: Incheon war in der Ferne bereits zu sehen, während wir durch spacige Brückenlandschaften in eine Hafenstadt einfuhren. Hochhäuser und grüne, dicht bewaldete Berge im Hintergrund. Und riesige Containerschiffe und Schiffe der Marine im Vordergrund. Keine Ahnung, wie ich mir Südkorea vorgestellt hatte oder hätte, aber so jedenfalls nicht.

Suedkorea_Brücke

Aus einer kleinen Auswahl durfte man wählen, was man später im Restaurant essen möchte. Das Essen muss man tatsächlich selber zahlen – umgerechnet ganze 8 € – was ich mir von dem koreanischen Geld leisten konnte, was ich geschenkt bekommen habe. Es war ein veganes Reisgericht mit einer Suppe, Gemüse und Algen, sehr lecker. Und wer wollte, konnte sich dann noch bei Starbucks einen Kaffee holen, der sieht hier übrigens auch interessant aus mit den Schriftzeichen… Und wer, so wie ich, keinen Kaffee mag, und schon gar nicht, wenn er maßlos überteuert ist, konnte sich ein Eis holen. Serviert in knallbunten Eiswaffeln und von einem etwas durchgeknallten Eisverkäufer. Oder doch lieber ein Sack Chilischoten?

Wir hatten überall immer ein wenig Zeit, uns selbst umzusehen, und so hatte ich Zeit, ein paar richtig schöne Bilder zu machen. Besonders gut hat mir die Fußgängerzone mit den kleinen Marktständen und den leuchtenden Farben gefallen. Und natürlich die knallbunten Luftballons – wenn man schonmal in einem solchen asiatischen Land ist, dürfen ein paar Anime Charaktere natürlich nicht fehlen. Auch, wenn Hello Kitty glaube ich aus Japan kommt, aber gut.

Und direkt neben den Ständen auf dem Markt mit dem Schmuck oder frittierten Meerestieren oder Algen wächst äußerst dekorativ Salat in Kübeln. Ich mag diese Idee und finde, jede Stadt sollte ein paar Kübel mit Salatpflanzen hegen.

Wir wurden in verschiedene Parks kutschiert, in denen es allerlei zu entdecken gab:

Neben Figuren zum Beispiel die super schön anzusehenden traditionellen Häuser. Die Dächer und Außenwände sind reich verziert mit hölzernen, bunt bemalten Ornamenten und Dämonenfiguren auf den Dächern. Ich will echt nicht wissen, wie lange es gedauert hat, diese Malerei fertigzustellen…

Zum Teil waren dort in den traditionellen Häusern in den Parks kleine Mini-Ausstellungen integriert, wo zum Beispiel antikes Mobiliar oder andere Einrichtungsgegenstände gezeigt wurden. Die gelben Vorhänge mit diesen genialen Bommeln haben es mir ja angetan – zumindest fürs Foto. Und was haltet ihr von dieser interessanten Art, einen Baum zu stützen?

Zufällig war ich gerade an dem Tag in Incheon, als gerade irgendeine Festivität in einem der Parks stattfand, und so konnte ich ein Spektakel der kostümierten Schauspielkunst und des traditionellen Tanzes miterleben. Neben diesem oberniedlichen koreanischen Mädchen in ihrem Prinzessinenkleidchen mit ihrem glänzend blauen Prinzessinenball.

Besonders gut haben mir außerdem die verschiedenen Statuen von Buddha und Fabelwesen gefallen. Und natürlich die von dem Elefanten – ich liebe Elis *_*

Ein weiteres absolutes Highlight für mich, insbesondere, nachdem ich noch vor Kurzem durch Russland und die Mongolei getourt war:

Man betritt den Saal und es duftet Zart nach Lilien. An den Wänden hängen dezente Blumenbilder. Im Hintergrund hört man leise Entspannungsmusik. Die Spiegel sind so sauber, dass jede Pore sichtbar ist. Man muss nichts zahlen. Die Rede ist von den öffentlichen Toiletten mitten in der Fußgängerzone: so etwas sauberes habe ich bis dahin noch nicht erlebt. Andere Reisende erzählten mir, dass es fast so sauber sei, wie in Singapur, nur dort sei es noch eine Stufe krasser. Also das war wirklich extrem sauber. Und dann halt auch noch kostenlos, wo man ja in Deutschland gerne mal 50 ct oder mehr für eine stinkende, siffige und widerliche Klobrille hinlegen darf, am besten noch ohne Klopapier.

In Sachen sauberem Badezimmer habe ich nach meiner Rückkehr aus der Stadt am Flughafen direkt noch weitere wundervolle Erfahrungen machen dürfen: ich war aufgrund von Schlafmangel ziemlich fertig und hatte immer noch mehrere Stunden bis zu meinem Weiterflug nach Sri Lanka. Und so konnte ich im Transitbereich noch eine erfrischende Dusche nehmen – ein Handtuch wurde einem auch zur Verfügung gestellt und alles war makellos sauber und duftend.

Ich habe meiner Schwester ein Foto von der Dusche im Flughafen geschickt, und sie fragte „Oh cool, ist das dein neues Hotel?“ 😀 Ehm, nein, das ist hier nur das Bad im Transitbereich in Incheon.

Suedkorea_Travelgirl

Frisch duftend und aufgewärmt hatte ich nun noch immer reichlich Zeit. Also bin ich in den Relax Bereich gegangen und habe gewartet, dass einer der kostenlosen elektrischen Massagesessel frei wird. Nach drei oder vier Massageeinheiten (es waren kaum Leute dort, sodass ich ziemlich lange einfach sitzen bleiben konnte) habe ich mich dann noch ein wenig schlafen gelegt. Das war also Südkorea.

Selten bin ich dermaßen entspannt gewesen nach einer so langen Reise. Falls du also irgendwie in der Ecke unterwegs sein solltest, sieh zu, dass du dir einen möglichst langen Transitaufenthalt in Südkorea mit einplanst: es lohnt sich!

Deine Malin[:]

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